vereinzelt Überlebende geben, die sich durchschlagen, doch der Großteil
der Bevölkerung ist schon tot – oder wird es bald sein.
Als wir den Hafen von São Miguel erreichten, lag eine unnatürliche Stille
über dem Wasser. Der Frachter, der uns sicher über den Atlantik gebracht
hatte, tuckerte mit gleichmäßigem Geräusch vor sich hin, doch in der Luft
lag eine Spannung, die selbst die gleichmäßigen Wellen des Meeres nicht
lindern konnten. Ich stand an der Reling und blickte auf die Küste, die sich
allmählich aus dem Dunst erhob. Normalerweise wäre das ein Augenblick
der Erleichterung – Land nach Tagen auf See. Doch diesmal fühlte es sich
anders an. Viel düsterer.
Der Hafen von Ponta Delgada, sonst ein geschäftiger Knotenpunkt, wirkte
wie ausgestorben. Keine Schiffe im Dock, keine Arbeiter, die ihre Ladung
entluden oder sich zur Mittagszeit laut unterhielten. Stattdessen war es, als
hätte die ganze Insel den Atem angehalten. Es war totenstill und ich blickte
auf das Wasser. Nur die Wellen, die gegen die Hafenmauer schlugen, waren
zu hören. Sonst nichts.
Der Himmel war leicht bedeckt, aber es war nicht der übliche Nebel, der
sich über den Atlantik legte. Eine merkwürdige Schwere hing über der
Stadt, fast wie eine Bedrohung, die in der Ferne lauerte, unsichtbar, aber
spürbar. Ich zog die Luft tief ein, doch selbst der Geruch des Meeres war
anders – weniger frisch. Irgendwie metallisch.
Unser Kapitän war schweigsam geworden, seit wir von den ersten
Berichten gehört hatten. Atombomben rund um die Welt. Der Gedanke ließ
mir einen Schauer über den Rücken laufen. Ich fragte mich, ob der Fallout
uns bereits erreicht hatte, ob er sich durch die Luft zog, unsichtbar, aber
tödlich.
Als wir uns dem Dock näherten, sah ich einige Männer, die aus den
Schatten ans Pier getreten waren, in dunkle Jacken gehüllt, die Hände tief in