tun und lassen können, wozu er befähigt ist. Wenn eine Frau regiert, wieso
nicht, wenn sie es kann? Edler, Marquese, wie würdet Ihr euch denn fühlen,
wenn man euch nur aufgrund eures … nun, recht stattlichen Körpers
bewerten würde?«
Vicente lachte los und rieb sich sein Bäuchlein.
»Ich könnte die Senoritas verstehen. Wirklich, ich könnte sie verstehen.
Aber nein, Don Diego de la Aurec. Eine Frau ist dazu eben nicht befähigt.
Wie ich schon sagte, der liebe Gott hat ihre Gehirne kleiner gemacht. So
einfach ist das. Das was ihnen im Kopfe fehlt, hat er in ihre Brüste gepackt.
Deshalb wird es niemals eine weibliche Voltaire geben.«
Gustav Larsen hob seinen Becher.
»Auf diese spanischen Weisheiten.«
De la Siniestro lachte laut und schallend.
»Erzählt, Don Diego de la Aurec. Wie steht ihr zum amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg?«, fragte Lafayette.
»Nun, Captaine, ich denke, den Amerikanern sollte sie gewährt werden.
Die britische Krone ist zu weit entfernt, gemessen am technologischen
Fortschritt unserer Zivilisation. Ja, sie sollten sich selber regieren.«
»Technologischer Fortschritt«, blubberte de la Siniestro. »Ihr hört euch an,
wie mein Sohn, der mit seinem Fernrohr die Sterne anschaut.«
Der Marquese rülpste und ließ sich den Wein erneut nachfüllen.
»Oh, ich fand die Somnium von Kepler und Bergeracs ‘Die Staaten und
Reiche des Mondes’ höchst unterhaltsam«, warf Gustav Larsen ein.
»Auch Voltaire schrieb in den Micromégas, dem Wesen vom Stern Sirius,
über die Möglichkeiten, die der Weltraum bietet«, warf Lafayette ein.
»Jeder, der davon träumt, zu diesen Sternen zu fliegen, gehört einem
peinlichen Verhör unterzogen«, sagte de la Siniestro und spielte damit auf
die Inquisition an.