Band 125
Zeitchaos
Die Zeitlinien brechen zusammen
Autor: Nils Hirseland
Cover: Raimund Peter
Innenillustrationen: Gaby Hylla, Raimund Peter, Roland Wolf, Foto Povolen
DORGON ist eine nichtkommerzielle Fan-Publikation der PERRY
RHODAN-FanZentrale. Die FanFiktion ist von Fans für Fans der PERRY
RHODAN-Serie geschrieben.
Hauptpersonen des Romans
Aurec
Er strandet in der Vergangenheit Terras
Thora
Die Imperatrice des Quarteriums
Olaf Peterson
Der Reporter in West-Berlin hat einen imaginären Freunde namens
Harry
Carl Nathan
Der Wehrmachtssoldat erlebt die Wende im Krieg
Gucky
Der Mausbiber hat alles verloren
Inhalt
Hauptpersonen des Romans 2
Inhalt 3
Was bisher geschah 4
Prolog 5
Normandie 1944 8
Thora 17
Der See im Wald 27
Der Berliner Reporter 34
Der kleine Perry Rhodan 44
CASSIOPEIA 53
Mythos vom Ukleisee 57
Krise zwischen den Blöcken 61
Die Neuordnung der Erde und ihr Untergang 67
Die Temporale Anomalie 74
Graf von Stolberg 80
Epilog 87
Vorschau 88
Glossar 89
Impressum 91
Was bisher geschah
Chaos in der Milchstraße. Temporale Anomalien haben das
Raumzeitgefüge vernichtet. Die Zeiten verschwimmen und nichts ist
mehr so, wie es war.
Nistant verkündet DAS ZEITCHAOS …
Prolog
Got a doll baby, I love her so
Nothing else like her anywhere you go
Man, she’s anything but calm
A regular pint-sized atom bomb
Er nahm einen Happen vom Kartoffelsalat und blickte in ihre schönen
braunen Augen. Er lächelte, und sie lächelte. Es war ein herrlicher Tag trotz
der Sorgen der letzten Wochen wegen des Konflikts auf dem Mond
zwischen dem Westen, dem Ostblock und der Asiatischen Förderation, der
im Sommer begonnen hatte. Ironischerweise hatte der 1957
herausgebrachten Song »Atom Bomb, Baby« von den The Five Stars
wieder ein Revival und dudelte in dem Funkwellenradio.
Sie saßen unweit des Jugendparks am Rheinufer in Köln-Deutz und
genossen die Augustsonne. Einmal abschalten, mit der Liebsten bei Bier,
Würstchen und Kartoffelsalat sitzen und … Die Sirenen fingen an zu
heulen. Er schreckte hoch.
Atom bomb, baby, little atom bomb
I want her in my wigwam
She’s just the way I want her to be
A million times hotter than TNT
Ein Blitz blendete ihn. Er kniff die Augen zu, weil er wusste, er hätte
instinktiv hingesehen. »Mach die Augen zu.« Er griff ihre Hand und
drückte sie fest. Dann öffnete er die Augen und sah den steigenden
Feuerball. Er blickte sich um. Wo sollten sie hin?
Atom bomb, baby, loaded with power
Radioactive as a TV tower
A nuclear fission in her soul
Loves with electronic control
Die Luftschutzsirenen heulten unablässig.
Sie hatten es getan. Sie hatten es wirklich getan!
Sein Herz pochte wild vor Angst.
Sie hatten die Bombe geworfen!
Atom bomb baby, boy she can start
One of those chain reactions in my heart
A big explosion, big and loud
Mushrooms me right up on a cloud
Er hielt ihre Hand. Sie drückte fest zu, zitterte und starrte auf den
apokalyptischen Atompilz, der im alles verschlingenden Feuer aufstieg. Sie
rannten los, doch wohin sollten sie? Im Jugendparkhaus gab es einen Keller
mit einer Kegelbahn. »Los«, rief er und zerrte sie mit.
Atom bomb, baby, little atom bomb
I want her in my wigwam
She’s just the way I want her to be
A million times hotter than TNT
Der Atompilz stieg in die Höhe. Bonn war ausgelöscht. Das Kanzleramt
vernichtet. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland existierte
vermutlich nicht mehr. Dann kam der Wärmeimpuls. Überall brach Feuer
aus.
Atom bomb, baby, sweet as a plum
Carrys more wallop than uranium
When she kisses, there’s no hitch
Zero power she turns on a switch
Die Menschen rannten in Panik das Ufer entlang und schrien. Auch er hatte
Angst. Sie hatte Angst. Sie rannten und rannten Richtung Jugendparkhaus.
Waren fast da. Sie blickten sich tief in die Augen, hielten ihre Hände.
Plötzlich wurde es brennend heiß. Es tat gar nicht weh, doch er sah in ihr
verbranntes Gesicht und wusste, er sah nicht anders aus. Sie schrie immer
noch. Sie wurden langsamer, der Körper wollte nicht mehr so wie ihr Geist.
Dann warf ihn die Druckwelle zu Boden.
Die Häuser auf der anderen Rheinseite wurden wie Modellhäuschen
umgerissen. Hunderttausende starben in diesem Moment, pulverisiert,
erschlagen oder verbrannt. Die atomare Apokalypse hatte begonnen.
Brennende Bäume stürzten um. Der Ostblock hatte den Atomkrieg gegen
den Westen begonnen. Er starrte in ihr verbranntes, haarloses Gesicht und
begriff, dass es vorbei war. Alles nur, weil sie irgendetwas auf dem Mond
gefunden hatten. Er konnte nicht mehr atmen, bekam keine Luft mehr. Alles
brannte. Die Welt ging unter. Die Menschheit ging unter.
10. August 1971 – Der Tag, an dem der 3. Weltkrieg begann.
Normandie 1944
5. Juni 1944
Der Knall aus dem Karabiner 98K war laut. Der Einschlag in ihren
Oberkörper klang eher dumpf. Sie gab einen erstickten Laut von sich. Ihre
Bluse färbte sich rot, und sie taumelte nach hinten, verlor das
Gleichgewicht und fiel ins Gras.
Ich atmete tief durch und senkte mein Gewehr. Ich hörte ihr Ringen nach
Luft. Dann trat ich näher und blickte auf sie herab. Sie war schön, zierlich
gebaut und hatte unschuldige blaue Augen. Aber sie war Mitglied der
Resistance. Was hatte sie hier zu suchen? Ich beugte mich hinab und griff in
ihre Strickjacke, zog den Ausweis heraus und blickte darauf. Ihr Name war
Adelé Louise Thi beau.
»Was ist passiert, Carl?«
Ich sah auf. Werner Niesewitz eilte herbei, musste den Schuss gehört
haben.
»Ich hab die Kleine erwischt, als sie dort etwas vergrub und mit Steinen
markierte.«
Werner betrachtete den kleinen Erdhügel, auf den ich zeigte. Mit dem
Stiefel schob er Erde und Steine zur Seite und stieß einen Pfiff aus. Ich
blickte nun auch auf den Gegenstand, den sie vergraben hatte, denn bisher
hatte ich dazu keine Zeit gehabt.
»Feinstes Dynamit. Das war wohl für ihre Freunde vom Widerstand
gedacht, um die Telefonmasten hier zu sprengen. Die führen von der Küste
nach Caen.«
Unteroffizier Werner Niesewitz trat neben mich und zeigte auf die
verwundete Adelé Louise Thibeau.
Er atmete tief durch.
»Was machen wir mit ihr?«
Ich betrachtete ihre Wunde. Sie hatte verdammtes Glück. Die Patrone war
durch ihre Schulter gegangen. Aber hatte sie wirklich Glück? Ein Verhör
mit der Gestapo war kein Vergnügen. Da wäre es besser, wenn sie hier im
Gras verrecken würde.
Niesewitz blickte sich skeptisch um. Ich hatte bereits geprüft, ob andere
Widerständler in der Nähe sein könnten, doch es war niemand hier. Doch
ganz sicher wussten andere Bescheid. Jene, die den Sprengstoff ausgraben
würden, jene, die den Zünder bei sich trugen, um die Masten zu sprengen.
Die Resistance arbeitete auf die Invasion der Alliierten hin. Ihre
Aktivitäten nahmen zu, und das bedeutete, die Invasion stand kurz bevor.
Wir mussten dringend Lars Born informieren.
SS-Untersturmführer Lars Born hatte kurzes, grau meliertes Haar und
kleine graue Augen. Seine schwarze Uniform war akkurat angelegt,vor
allem dafür, dass es schon 21:56 Uhr an diesem 5. Juni war. Die rote Binde
mit dem weißen Kreis und dem Hakenkreuz darin schien in der
Abenddämmerung zu leuchten. Lars Born war stets korrekt gekleidet. Die
Mütze ruhte peinlich genau zurechtgerückt auf dem Haupt, alles war
penibel gesäubert.
»Guten Abend, die Herren Feldwebel Nathan und Niesewitz«, rief er
ebenso höflich wie fröhlich.
Born betrat das kleine, alte Bauernhaus, in dem wir die verwundete Adelé
Louise Thibeau versorgt hatten. Das Haus gefiel ihm offensichtlich nicht,
wie sein Gesichtsausdruck verriet. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Es
war eng, die Möbel wirkten alt und ranzig, wie so vieles in Frankreich. Die
letzte Renovierung dieses Hauses war bestimmt noch vor der französischen
Revolution gewesen.
»Bonjour, Madmoiselle Thibeau, ca va? Uh, wie unaufmerksam von mir.
Vermutlich geht es Ihnen nicht sonderlich gut.«
Sie lag auf der grünen, alten Couch. Er nahm einen Holzstuhl, schob ihn
davor und setzte sich.
»Das kommt davon, wenn man sich gegen die natürliche Ordnung
auflehnt. Dabei hatten Sie noch Glück, dass meine beiden wachsamen
Kameraden so zimperlich mit Ihnen umgegangen sind.«
Er grinste.
»Wenn ich mich denn nun vorstellen darf? Ich bin Untersturmführer der
SS und des Reichssicherheitshauptamtes. Mein Name ist Lars Born, und ich
bin nun einmal der zuständige Polizeibeamte, weshalb ich zu nächtlicher
Zeit zu dieser Konversation mit Ihnen gezwungen bin. Seien Sie so
freundlich und verraten mir Ihre Position im französischen Widerstand und
die Namen Ihrer Komplizen!«
Sie drehte ihren Kopf weg und schwieg. Wie konnte sie nur so dumm und
unkooperativ sein? Sie musste doch wissen, welche Konsequenzen das
hatte.
»Können wir einen Kaffee bekommen? Wo sind die Hausherren?«
Ich hatte keine Ahnung, denn das Haus stand leer, seitdem ich hier
stationiert wurde. Ich zuckte mit den Schultern, während Werner in der
Küche Wasser aufsetzte.
»Die Salomons wurden bereits vor zwei Jahren deportiert«, sagte Adelé
vorwurfsvoll.
»Oh, ich verstehe.«
Born seufzte.
»Es ist schon eine Schande. Nun, Sie haben aber einen arischen Namen.
Thibeau. Lothringen?«
Sie nickte.
Born kicherte vergnügt.
»Wissen Sie, woher ich das weiß? Vor einigen Jahren, genau genommen
im November 1941, war ich zu Besuch in Amerika. Genauer gesagt in
Chicago. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam, jedenfalls war ich bei
diesem freundlichen Herrn Leo Tibo, und er zeigte mir seine US-
amerikanischen Peace Dollars, die er mit Leidenschaft sammelte. Wir
plauderten über Gott und die Welt – übrigens er sah damals im
Bolschewismus die größte Gefahr für die Welt – und kamen jedenfalls so
ins Gespräch über Herkünfte. Da sagte er, dass er aus Lothringen stammte
und seine Vorfahren in die USA emigriert waren. Und raten Sie einmal, wie
der Mann wirklich hieß?«
Das Pfeifen der Kanne ließ Adelé aufschrecken.
»Oh, der Kaffee ist fertig«, rief Niesewitz.
Born blickte die Französin erwartungsvoll an.
»Ich… weiß nicht?«, flüsterte sie.
»Thibeau. Mir ist entfallen, ob es seine Familie oder die seiner Frau war.
Jedenfalls, jetzt wird es noch interessanter. Die Tibos haben eine Tochter,
die einen Deutschen geheiratet hat. Deutsch-französisch-amerikanische
Freundschaft in dieser Zeit. Das ist doch brillant.«
»Hört sich nach Antizipation von Jules Verne an«, sagte Adelé.
Werner Niesewitz brachte zwei Tassen Kaffee. Ich holte mir zwei Becher
aus der Küche und schenkte Werner und mir ein. Die Vorstellung, dass
Franzosen, Amerikaner und Deutsche eines Tages ganz normal miteinander
umgehen würden, erschien sicherlich fantastisch, aber nicht unmöglich. Es
gab einige Franzosen, die mit den Besatzern kooperierten, und immerhin
hatten die Vichy-Franzosen sogar mit uns Frieden geschlossen. Es gab
genug französische Mademoiselles, die sich einem deutschen Landser
hingaben – für genug Reichsmark. Mit der Zeit würden sie sich an uns
gewöhnen.
»Nun ja, ich möchte Sie, Fräulein Thibeau, noch einmal eindringlich
bitten, mir Ihre Mitverschwörer zu nennen.«
»Nein, Monsieur Nazi. Ich sage Ihnen kein Wort.«
Born seufzte.
»Verwunden mein Herz mit eintöniger Mattigkeit.«
Thibeau starrte ihn mit großen Augen an.
»Wir hören die BBC ab, meine Liebe. Wir wissen, dass die große Invasion
bevorsteht. Nun seien Sie ein braves Mädchen, trinken Ihren Kaffee und
erzählen mir hübsch alles über die Resistance, was Sie wissen. Wo geht es
los? In Calais? Sollen hier Ablenkungsangriffe stattfinden, hm?«
Born schlürfte genüsslich den Kaffee.
Adelé stellte ihre Tasse demonstrativ auf den Tisch, zitternd und mit
schmerzverzerrtem Gesicht.
Born nickte.
»Nun, gestatten Sie mir, Ihnen Ihre Optionen aufzuzeigen. Sie werden
standrechtlich erschossen, Sie werden nicht einfach so erschossen, Sie
werden gefoltert und dann erschossen. Oder Sie sind eine Verräterin, aber
Sie werden werden medizinisch versorgt und sind frei.« Er breitete die
Hände aus und lächelte. »Es liegt ganz bei Ihnen, Teuerste. Es ist Ihre
Entscheidung.«
Er beugte sich vor sie und sagte mit gedämpfter Stimme: »Verstecken Sie
sich ein paar Wochen hier, und dann schleusen wir Sie nach Amerika.
Besuchen Sie Ihre Verwandten in Chicago.«
Adele packte ihn am linken Arm.
»Ich habe niemals gesagt, dass ich mit den Leuten aus Ihrer Geschichte
verwandt bin. Woher wussten Sie das?«
SS-Untersturmbannführer Lars Born ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Er legte seine rechte Hand auf ihre Hand und tätschelte sie dreimal. Dann
schob er sich sanft von ihr.
»Nun«, begann er und leerte schlürfend die Tasse mit dem Kaffee. »Es
geht nicht um die Tibos oder Thibeaus. Mein Interesse gilt dem Sprössling
aus der Vermählung zwischen Mary Tibo und Karl Rhodan: dem kleinen
Racker Perry Rhodan.«
Lars Born griff an seinen Holster, zog die Luger hervor, entsicherte sie,
zielte und drückte ab. Der Schuss traf Adelé direkt in den Kopf. Sie war
sofort tot. Der Körper sackte auf die Lehne des Sofas. Born steckte die
Pistole wieder in den Holster und griff nach der Tasse. Enttäuscht stellte er
fest, dass sie leer war. Klirrend stellte er sie ab und erhob sich. Dann wandte
er sich an Werner und mich.
»Meine Herren Feldwebel, heute werden wir keinen Schlaf finden. Die
Alliierten greifen in der Nacht an, und bei Morgengrauen wird der Atlantik
geschwärzt sein von der Armada an Schiffen aus England. Wir brauchen
also neuen Kaffee. Viel Kaffee!«
6. Juni 1944
5:30 Uhr
Adolf Hitler stand vor mir.
Die Schirmmütze des Führers lag tief über der Stirn. Seine Gesichtszüge
waren streng, und der markante Schnauzbart dominierte das Gesicht.
Ich konnte es nicht fassen. Vor wenigen Momenten war der Führer des
Deutschen Reiches aus seinem grauen Kübelwagen gestiegen und, von SS-
Wachleuten eskortiert, ausgerechnet auf unser Widerstandsnest Nummer 65
zugegangen. SS-Untersturmführer Lars Born war aus dem Bunker geeilt
und hatte Hitler mit dessen Gruß und einem lauten »Sieg Heil« begrüßt.
Werner Niesewitz hatte es sich nicht nehmen lassen, gleich zu folgen. Ich
hingegen hatte die verbliebene Minute genutzt, um mich hastig sauber zu
machen, zumindest die Tassen in eine Linie zu schieben und meine Uniform
zu richten.
Es war schrecklich eng hier drin, immerhin stand eine riesige Flak-88 im
Bunker.
Was suchte Hitler am Atlantik-Wall, zudem noch in Saint-Laurent-sur-
Mer in der Normandie? Die Invasion wurde von Generalfeldmarschall von
Rundstedt und Generalfeldmarschall Rommel in Calais erwartet.
Ich stand so stramm, wie es nur ging. Dabei hatte ich Angst. Angst vor
dem Führer, Angst davor, mich vor ihm zu blamieren – und Angst vor den
Meldungen aus der Nacht: Fallschirmjäger waren über der Normandie
abgesprungen.
War das die Invasion oder nur ein Ablenkungsmanöver? War der große
Tag angebrochen, an dem das ultimative Kräftemessen beginnen würde?
Oder war das einfach der Beginn des Untergangs des Reichs?
Ich war in Polen dabei gewesen. Dann in Norwegen, Frankreich,
Jugoslawien, Griechenland, Libyen, Ägypten und Italien. Russland war mir
erspart geblieben. Nun stand ich buchstäblich im Sand und wartete auf die
Ankunft der Armada der Alliierten.
Der Führer sah sich um. Dann trat er an den Schützenstand heran und
blickte auf den Strand.
»Dort draußen lauern Roosevelts und Churchills Horden. Doch heute
werden sie untergehen. Es ist meine Bestimmung.«
Er wandte sich mir zu.
»Name, Rang?«
Ich salutierte.
»Carl Nathan, Feldwebel, mein Führer!«
»Feldwebel Nathan, heute wird die Geschichte des deutschen Volkes neu
geschrieben.«
»Jawohl, mein Führer!«
Er stellte sich an den Feldstecher und blickte durch das Fernglas. Dann
winkte er mich zu sich.
»Sehen Sie?«
Ich beugte mich vor und guckte durch die Vergrößerungslinsen. Und ich
erschrak. Ich sah eine Mauer an Schiffen, die auf uns zuhielten. Das war die
Invasion.
Hitler verließ den Bunker und ging zum Strand.
Ich blickte Niesewitz verständnislos an. Was tat der Führer? Wollte er
sterben?
Um 5:37 Uhr eröffnete die Geschützbatterie in Saint-Laurent-sur-Mer das
Feuer auf die Invasoren. Tausende Schiffe näherten sich der Küste. Wie
sollten wir sie aufhalten? Das war das Ende.